BeBaCo® – Bernhard Bauer Consulting
Spezialangebote
PM010
Von der Raumsuche zum Erinnerungsprojekt
600 Tonnen
Schutt entfernt
30+
Fachleute aus verschiedenen Disziplinen
800+ m³
Neuer Raum erschlossen
Ausgangslage

Am Beginn stand keine historische Fragestellung, sondern die Suche nach zusätzlichem Raum. Eine Wiener Bildungseinrichtung benötigte dringend weitere Räumlichkeiten für ihren wachsenden Betrieb. Anstatt sich früh auf eine Lösung festzulegen, wurden verschiedene Möglichkeiten entwickelt und hinsichtlich Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit und langfristigem Nutzen bewertet. Eine dieser Varianten führte zu einem vermuteten Kellerbereich unter dem Turnsaal. Seine Ausmaße und sein Zustand waren völlig unbekannt. Dennoch schien diese Variante das größte Entwicklungspotenzial zu bieten. Der Vorstand entschied sich deshalb bewusst für diesen Weg und legte damit den Grundstein für ein Projekt, dessen Tragweite damals noch niemand absehen konnte.

Unsere Lösung

Den ersten Schritt bildete nicht der Abbruch, sondern die Recherche. Historische Bestandspläne aus dem Jahr 1939 wurden in Archiven recherchiert, digitalisiert und anschließend gemeinsam mit bautechnischen Experten und Historikern ausgewertet. Die Pläne bestätigten den Verdacht, dass sich unter dem Turnsaal ein verschütteter Kellerbereich befinden musste. Nach der kontrollierten Öffnung eines vermauerten Zugangs bestätigte sich diese Annahme. Damit konnten die ersten Grabungsarbeiten beginnen.

Bereits bei den ersten Grabungsarbeiten kamen unerwartet historische Fundstücke zum Vorschein, die eindeutig auf die ehemalige Synagoge und ihre Zerstörung während der Novemberpogromnacht 1938 hinwiesen. Damit veränderte sich das Projekt grundlegend. Aus der geplanten Flächenerweiterung entwickelte sich ein historisches Forschungs- und Erinnerungsprojekt.

Parallel zu den Grabungsarbeiten mussten völlig neue Aufgaben bewältigt werden. Der Kellerbereich war statisch hochsensibel und erforderte umfangreiche Sicherungsmaßnahmen, bevor rund 600 Tonnen Schutt mit einer Industriesauganlage schrittweise entfernt werden konnten. Jede Grabungsphase wurde eng mit den beteiligten Fachleuten abgestimmt. Mit jeder neuen Erkenntnis kamen weitere Experten hinzu – zunächst Statiker, Historiker und weitere Fachwissenschaftler, später das Bundesdenkmalamt, Archäologen und Restauratoren. Fundstücke wurden dokumentiert, geborgen, gesichert und wissenschaftlich eingeordnet. Der ursprüngliche Projektauftrag wurde dabei laufend an neue Erkenntnisse angepasst und Schritt für Schritt verantwortungsvoll weiterentwickelt.

Das Ergebnis

Die Arbeiten führten schließlich zur Freilegung eines seit Jahrzehnten verschütteten Kellerbereichs mit bedeutenden Zeugnissen der ehemaligen Synagoge und der Novemberpogromnacht 1938. Historische Baustrukturen konnten dokumentiert, zahlreiche Fundstücke wissenschaftlich untersucht, restauriert und dauerhaft konserviert werden.

Die wissenschaftliche Aufarbeitung führte schließlich zu einer Ausstellung im Haus der Geschichte Österreich. Vertreter aus Politik, Wissenschaft, Kultur und der jüdischen Gemeinde nahmen an der Eröffnung teil. Nationale und internationale Medien griffen das Projekt auf und machten die Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Mit der späteren baulichen Sicherung des Kellerbereichs konnten die erhaltenen Überreste dauerhaft bewahrt werden. Über das eigentliche Projekt hinaus entstand ein dauerhaftes Netzwerk zwischen Eigentümer, Wissenschaft, Denkmalpflege und öffentlichen Institutionen. Es bildet bis heute die Grundlage für die Erhaltung und weitere Erforschung dieses historischen Erinnerungsortes.

  • Aus einer Raumsuche entstand ein Erinnerungsprojekt von internationaler Bedeutung.
  • Ein komplexes Bau-, Forschungs- und Erinnerungsprojekt wurde über mehrere Jahre erfolgreich gesteuert.
  • Bauwesen, Statik, Denkmalpflege, Wissenschaft und Restaurierung wurden zielgerichtet miteinander koordiniert.
  • Die Projektergebnisse wurden wissenschaftlich aufgearbeitet und im Haus der Geschichte Österreich einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.
  • Ein bedeutender historischer Erinnerungsort konnte dauerhaft gesichert und für zukünftige Generationen bewahrt werden.
Projektdetails
Kategorie
Spezialangebote
Branche
Bildung | Forschung | Erinnerungskultur
Unternehmen
Private Bildungseinrichtung in Wien
Projektdauer
5 Jahre
Schlagworte
Projektsteuerung Bauprojekt Museumsprojekt Historische Recherche Archäologie Museumsprojekt Stakeholdermanagement Projektentwicklung Wien Bildungseinrichtung Erinnerungsprojekt Synagoge Novemberpogrom 1938 Ausstellung Haus der Geschichte Österreich

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