
In den Lagerbeständen eines Juwelengroßhändlers befanden sich hochwertige Altschmuckbestände, die teilweise seit Jahrzehnten im Unternehmen vorhanden waren. Für viele dieser Schmuckstücke lagen weder vollständige Materialdaten noch strukturierte Bewertungsinformationen vor. Musste ein Artikel erneut bewertet werden, begann die Analyse häufig von vorne.
Edelmetalle und Legierungen wurden bestimmt, Edelsteine gezählt, vermessen und beurteilt, Gewichte erfasst sowie wertbestimmende Merkmale dokumentiert. Anschließend musste entschieden werden, ob sich ein Wiederverkauf wirtschaftlich noch lohnte oder ob Materialwert und Edelsteine einen höheren Erlös versprachen als der Verkauf des Schmuckstücks.
Neben der fachlichen Analyse spielte dabei die kaufmännische Bewertungsstrategie eine entscheidende Rolle. Welche Edelmetallpreise werden herangezogen? Welche Bewertungsgrundlagen gelten?Welche Zuschläge oder Abschläge sind anzusetzen? Die Bewertungsstrategie war über viele Jahre gewachsen und beruhte auf der Erfahrung des Eigentümers. Sie existierte jedoch ausschließlich als implizites Expertenwissen und war weder dokumentiert noch als einheitliche Methodik verfügbar.
Gemeinsam mit dem Eigentümer wurden sowohl die fachliche Bewertungsmethodik als auch die kaufmännische Bewertungsstrategie analysiert und in eine einheitliche Bewertungslogik überführt.
Dabei wurden alle dauerhaft gültigen Merkmale eines Schmuckstücks einmalig strukturiert erfasst und mit einer Fotodokumentation gespeichert. Dazu gehörten Materialien, Legierungen, Edelsteine, Gewichte, Qualitätsmerkmale und weitere wertbestimmende Informationen.
Ergänzend wurden die wirtschaftlichen Bewertungsparameter definiert. Edelmetallpreise, Wechselkurse, Bewertungsfaktoren und Kalkulationsregeln konnten zentral gepflegt und jederzeit aktualisiert werden. Dadurch verband das System dokumentiertes Expertenwissen mit aktuellen Marktdaten.
Per Knopfdruck wurde für jedes Schmuckstück ein vollständiges Bewertungsblatt mit Foto sowie Bruchwert, Großhandelspreis und Detailverkaufspreis erstellt.
Die vollständige Analyse eines Schmuckstücks musste nur einmal durchgeführt werden. Bereits erfasste Parametrierungen und Bewertungen blieben dauerhaft erhalten und konnten jederzeit anhand aktueller Markt- und Preisdaten neu berechnet werden.
Das System war über vier Jahre produktiv im Einsatz und unterstützte wirtschaftliche Entscheidungen zwischen Wiederverkauf und Materialverwertung. Während dieser Zeit wurden mehr als 1.000 historische Schmuckstücke nach der entwickelten Methodik bewertet und dokumentiert.