

Gründer und Unternehmer können ein Lied davon singen. Was sich im Businessplan noch glatt darstellen ließ, sorgt im Finanzplan für Wirbel. Jede Annahme bekommt nun einen Betrag und wird zeitlich eingeordnet. Der Blick auf das gesamte Vorhaben zeigt, ob sich die einzelnen, plausiblen Annahmen auch gemeinsam ausgehen.
Der Businessplan beschreibt, wie aus einer Idee ein Geschäft werden soll. Er ordnet das Angebot in seinen Markt ein und erklärt, woher die künftigen Umsätze kommen sollen. Der Finanzplan übernimmt diesen geplanten Weg und prüft, was er finanziell verlangt.
Eine geplante Teamverstärkung wird im Finanzplan beispielsweise mit ihren gesamten Personalkosten berücksichtigt. Dazu gehören neben dem Gehalt auch die laufenden Abgaben. Ab dem Eintrittsdatum des neuen Mitarbeiters steigt dadurch der monatliche Geldbedarf. Die zusätzlichen Einnahmen, die diese Kosten ausgleichen sollen, kommen möglicherweise erst später.
Diese zeitliche Verschiebung wirkt in weitere Teilrechnungen hinein. Steigen die Personalkosten früher als der Umsatz, kann sich der Break-Even nach hinten verschieben. Bis dahin wird mehr Kapital benötigt, was wiederum die Finanzierung verändert.
Ein Finanzplan betrachtet dasselbe Vorhaben in mehreren Teilplanungen. Ein Unternehmen kann laut Ergebnisrechnung bereits Gewinn erwirtschaften und im selben Monat trotzdem zu wenig Geld für eine fällige Zahlung haben. Solche Unterschiede werden verständlich, sobald klar ist, welche Frage jede Teilplanung beantwortet:
Die Teilplanungen folgen unterschiedlichen Rechenlogiken. Ein erzielter Umsatz verbessert bereits das Ergebnis, für die Liquidität zählt jedoch erst der Zahlungseingang. Muss ein Auftrag vorfinanziert werden und bezahlt der Kunde mehrere Wochen später, kann ein gutes Geschäft den Geldbedarf vorübergehend sogar erhöhen.
Zahlt der Kunde erst nach acht statt nach vier Wochen, ändert sich am Ergebnis des Auftrags nichts. Der Betrieb muss ihn aber länger vorfinanzieren.
Im Gesamtmodell lässt sich verfolgen, wie sich das auf den Kapitalbedarf auswirkt und ob die vorgesehenen Mittel für diese zusätzliche Zeit reichen.
Beim Kapitalbedarf richtet sich der Blick oft auf die Investitionen. Sie zeigen, was bis zum Start bezahlt werden muss. Wie viel Geld insgesamt benötigt wird, hängt jedoch auch von den Monaten danach ab, in denen die laufenden Ausgaben bereits anfallen und die Einnahmen noch wachsen müssen.
Für die Berechnung werden die erwarteten Ein- und Auszahlungen Monat für Monat gegenübergestellt. Wie viel Geld bereitstehen muss, zeigt der höchste aufgelaufene Fehlbetrag, bevor spätere Zahlungseingänge ihn wieder verringern. Hinzu kommt eine Reserve für Verzögerungen oder höhere Ausgaben.
Am Break-Even decken die Erlöse die laufenden Kosten. Wird dieser Punkt erst nach achtzehn statt nach sechs Monaten erreicht, braucht der Betrieb entsprechend länger Kapital für die Zeit davor. Der Geldbedarf kann darüber hinaus bestehen bleiben, wenn Rechnungen bereits fällig sind, die erzielten Umsätze aber erst später bezahlt werden.
Übersteigt der errechnete Kapitalbedarf die verfügbaren Mittel, kommen Umfang und Reihenfolge erneut auf den Tisch. Ein kleinerer Start bindet weniger Kapital und verschiebt den weiteren Ausbau auf einen Zeitpunkt, für den seine Finanzierung erneut geprüft werden kann. Der Kontostand beschreibt den heutigen Moment. Der Finanzplan berechnet die Strecke, für die das Geld reichen muss.
Wofür ein Finanzplan verwendet wird, sollte vor dem Aufbau des Modells feststehen. Der Unternehmer möchte damit verschiedene Entscheidungen durchrechnen können. Wird der Plan einer Bank, Förderstelle oder Behörde vorgelegt, muss er auch deren Fragen beantworten. Je nach Anlass verschiebt sich der Blick auf die Zahlen:
Der Verwendungszweck verändert mehr als die Gliederung oder das Dateiformat. Für eine interne Entscheidung lässt sich etwa durchrechnen, was geschieht, wenn eine Investition drei Monate später erfolgt. Das Modell zeigt, wie sich der verschobene Zahlungszeitpunkt auf den Geldbedarf auswirkt. Soll der Finanzplan etwa einem Kreditantrag, einem Förderantrag oder einem Zulassungsverfahren beigelegt werden, muss ein Außenstehender nachvollziehen können, wie aus den angesetzten Werten der ausgewiesene Kapitalbedarf entsteht.

Dafür wird eine Fassung mit den zum Zeitpunkt der Vorlage verwendeten Annahmen festgehalten. Das Unternehmen kann mit dem Modell weiterrechnen, ohne die vorgelegte Fassung nachträglich zu verändern.
Sie kennen Ihr Geschäft und legen fest, mit welchen Preisen und welcher Nachfrage gerechnet werden soll. Zahlen aus dem bisherigen Betrieb können diese Erwartungen stützen. Bei einer Gründung müssen manche Angaben noch geschätzt werden. Der Berater übernimmt diese Einschätzungen als Ausgangspunkt und prüft, welche finanziellen Folgen sich daraus ergeben.
Gerade beim geplanten Umsatz zeigt sich, warum das Eintragen einer Zahl in eine Vorlage zu kurz greift. Hinter einem Jahresziel stehen Aufträge, die erst gewonnen und dann bearbeitet werden müssen. Die Ausarbeitung prüft, ob die erwartete Zahl zur verfügbaren Kapazität passt. Wo Erfahrungswerte fehlen, bleiben die Annahmen erkennbar und können in verschiedenen Varianten gerechnet werden.
Aus den geklärten Grundlagen entsteht mit dem „Finanzplan“ ein offenes Excel-Modell, in dem die Teilrechnungen miteinander verbunden sind. Fällt die Auftragszahl geringer aus als erwartet, lassen sich die Folgen für das Ergebnis und den monatlichen Geldbedarf durchrechnen, ohne jede Tabelle von Hand neu aufzubauen. Annahmen, auf die der Kapitalbedarf besonders stark reagiert, werden im Modell hervorgehoben.
Die Datei wird dem Auftraggeber übergeben. Er kann mit neuen Zahlen weiterrechnen und entscheiden, welche Variante er verfolgt. Ob Sie den Finanzplan selbst erstellen oder Unterstützung hinzuziehen, hängt vom Vorhaben und vom Zweck der Planung ab:
Bei einem größeren Vorhaben der Standortentwicklung war ursprünglich vorgesehen, alle baulichen Maßnahmen in einem Schritt umzusetzen. Auf dem Papier erschien das vernünftig. Der Standort wäre vollständig fertiggestellt worden, spätere Bauarbeiten hätten sich erübrigt. Die Investitionskosten waren erfasst, und für den späteren Betrieb gab es eine eigene Berechnung.
Erst der Finanzplan brachte beide Zeiträume zusammen. Nun wurde sichtbar, dass der vollständige Ausbau fast das gesamte verfügbare Kapital zu Beginn gebunden hätte. Für die ersten Betriebsmonate wäre kaum Spielraum geblieben, obwohl die Einnahmen erst nach und nach das geplante Niveau erreichen konnten.
In einer zweiten Szenariorechnung wurde die Reihenfolge der Umsetzung verändert und der erste Abschnitt auf jene baulichen Maßnahmen beschränkt, die für den Start gebraucht wurden. Der weitere Ausbau blieb Teil des Vorhabens, rückte aber in eine spätere Phase. So entstand zwischen dem sofortigen Vollausbau und dem Verzicht eine dritte Möglichkeit.
Der Blick in die Zukunft veränderte damit eine sehr konkrete Entscheidung der Gegenwart. Die Etappenvariante wurde daraufhin beschlossen. Wann der weitere Ausbau möglich wird, muss die Entwicklung des Betriebs zeigen.

Nach den ersten Betriebsmonaten stehen den Annahmen des Finanzplans echte Zahlen gegenüber. Der ursprüngliche Plan bleibt als Referenz erhalten. Daneben werden die tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben eingetragen. Im Plan-Ist-Vergleich wird sichtbar, an welchen Stellen sich das Vorhaben anders entwickelt als erwartet.
Eine Abweichung betrifft selten nur den vergangenen Monat. Bleibt der Umsatz hinter der Planung zurück, verändert sich auch der Geldbedarf für die kommende Zeit. Das Modell rechnet diese Entwicklung weiter und gibt der Vorschau eine neue Grundlage.
Als Nächstes kann etwa geprüft werden, wann der zurückgestellte Ausbau möglich wird. Sobald Betriebszahlen vorliegen, können sie in das bestehende Modell übernommen und die kommenden Monate neu berechnet werden. So zeigt sich, wie viel Geld für den nächsten Abschnitt benötigt wird und ob der bisher vorgesehene Zeitpunkt noch passt.
Ein fertiger Businessplan ist keine Voraussetzung. Das Geschäftsmodell muss allerdings weit genug entwickelt sein, um Einnahmen und Kosten sinnvoll ansetzen zu können. Offene Punkte können während der Ausarbeitung geklärt und in mehreren Varianten gerechnet werden.
Eine Gründungsplanung mit wenigen Kostenpositionen verlangt weniger Arbeit als ein mehrstufiges Vorhaben mit bestehenden Verträgen oder Vorgaben für eine Einreichung. Auch der Zustand der verfügbaren Unterlagen wirkt sich auf den Aufwand aus. Nach einer ersten Sichtung lässt sich der benötigte Umfang eingrenzen.
Bei einem bestehenden Unternehmen bilden die Buchhaltung und laufende Verträge den Ausgangspunkt. Für geplante Investitionen werden vorhandene Angebote oder Kostenschätzungen herangezogen. Bei einer Gründung kommen die Annahmen des Auftraggebers zum Einsatz. Kontobewegungen können nach Vereinbarung geprüft werden, um wiederkehrende Zahlungen mit der Planung abzugleichen.
Ein gemeinsames Rechenmodell kann beide Aufgaben erfüllen. Für die interne Arbeit bleiben Annahmen veränderbar und Szenarien vergleichbar. Die Einreichungsfassung wird daraus entsprechend dem verlangten Zeitraum und den Vorgaben des Empfängers aufbereitet.
Bei üblichen Planungsmodellen erhalten Sie die offene Excel-Datei. Sie können später tatsächliche Zahlen ergänzen und neue Szenarien damit berechnen.
Die Qualität eines Finanzplans zeigt sich erst, wenn die Wirklichkeit von ihm abweicht. Dann muss das Modell erkennen lassen, wie sich die Veränderung auf den weiteren Kapitalbedarf auswirkt und welcher Spielraum noch besteht. Eine Planung, die nur unter ihren ursprünglichen Annahmen funktioniert, verliert ihren Nutzen beim ersten unerwarteten Monat.
Wer einen Finanzplan erstellen lassen will, möchte die finanziellen Folgen einer Entscheidung kennen, bevor er sie trifft. Die Rechnung kann zeigen, dass eine Investition zu früh zu viel Kapital bindet und ein späterer Zeitpunkt oder eine Umsetzung in Etappen mehr Spielraum lässt. Mit den tatsächlichen Zahlen aus dem Betrieb lässt sich später prüfen, ob der gewählte Weg weiterhin passt.